Das Zwischenahner Meer wurde im Januar 2014 immerhin unter 25 Bewerbern aus Norddeutschland, darunter auch das Steinhuder Meer, die Müritz und der Plöner See, zum spannendsten See Norddeutschlands gewählt.

Ökologisch allerdings sind die anderen Seen ganz weit vorn!

Das Zwischenahner Meer bietet dafür offensichtlich   eine Vielfalt von Eindrücken für Besucher und Kurgäste, die zu dieser Kür geführt haben.

Das Massenhafte Auftreten von Blaualgen im letzten Jahr hat in Bürgerschaft, Wirtschaft und Politik mächtig für Aufruhr gesorgt. Versammlungen und Vorschläge gab es etliche. Nur, eine Lösung ist bis heute nicht in Sicht.

Foto und Bericht: Charly


 

Der Fischereiverein Bad Zwischenahn, hat vom Landesfischereiverband Weser-Ems das Fischgewässers Zwischenahner Meer exklusiv gepachtet, wurde aber bisher zu keiner der Versammlungen eingeladen und auch nie angesprochen, seine Sichtweise darzustellen.
Wir als Fischereiverein sind nicht nur am Angeln interessiert, sondern sind aktiv im Natur- und Tierschutz tätig. Wobei u. a. die Renaturierung der Speckener Bäke in Zusammenarbeit mit dem Landesfischereiverband Weser-Ems und die Wiederansiedlung von bedrohten oder im Bestand gefährdeten Fischarten zu nennen wären. Häufig vergessen wird dabei, dass diese Projekte erst durch unzählige ehrenamtliche Arbeitsstunden sowie durch tausende von Euro aus den Mitgliedsbeiträgen ermöglicht werden. So motiviert, möchten wir bevor die Blaualgen wieder so ins Auge fallen, dass die nächste öffentliche Diskussion beginnt, rein sachlich darstellen, was in wissenschaftlichen Gutachten und behördlichen Berichten bisher festgestellt wurde und unsere jahrelangen Beobachtungen durchaus bestätigt.
Die Niedersächsische Landesanstalt für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz [NLWKN] hat 2010 zur Wasserrahmenrichtline (WRRL) Band 3 als Anlage den Leitfaden Maßnahmenplanung den Seebericht Zwischenahner Meer veröffentlicht.
Demnach i
st die Entwicklung des Phytoplanktons, bestehend aus verschiedene Algenarten, die mit Hilfe der Photosynthese aus Kohlenstoffdioxid und Nährstoffen ihre Körpersubstanz, also Biomasse aufbaut,

im Zwischenahner Meer ist seit Ende des 19. Jahrhunderts recht gut belegt. Danach hat es bereits 1898/1899 im Frühjahr eine starke Entwicklung von Kieselalgen, sowie Massenentwicklungen von Blaualgen im Sommer gegeben. Seitdem haben diese Massenentwicklungen an Dauer und Intensität zugenommen. Die Grünalgen sind offenbar zurückgegangen und die Blaualgen-Formen haben an Häufigkeit und Stetigkeit zugenommen.
Seen können anhand der in ihr befindlichen Menge von Nährstoffen klassifiziert werden. Grundlegend unterscheidet man zwischen vier Trophiestufen. Historischen Untersuchungen belegen, dass sich der See seit über 100 Jahren im zumindest hocheutrophen (Stufe 3) bis polytrophen (Stufe 4) Zustand befindet. Was bedeutet, dass es wegen der hohen Verfügbarkeit von Nährstoffen zur Algenblüte kommen kann. Das Auftreten von Blaualgenblüten im Sommer deutet eher auf einen polytrophen Zustandes des Zwischenahner Meeres hin.
Der schon lang zu beobachtende Schilfrückgang ist zum Teil dem oben beschriebenen Trophiezustand, den Wasserstandschwankungen und dem Eisgang im Winter zuzuschreiben.
Im Jahr 2007 wurde das Phytoplankton untersucht. Dabei wurde festgestellt, dass bereits gegen Ende April Blaualgen in Erscheinung traten. Nach Angaben älterer Anwohner soll es früher einen, dem Schilf seeseitig vorgelagerten Gürtel von Unterwasserpflanzen gegeben haben, der um 1960 verschwunden ist. Er wird allerdings nur schmal gewesen sein, da das Seebecken relativ steilwandig ist und die Eindringungstiefe des Lichtes mit 40 – 60 cm durch das natürlich braune Wasser begrenzt ist.
Für den ökologischen Zustand der Fischfauna liegt nur eine vorläufige Bewertung des LAVES nach Vorgaben der EU-WRRL vor. Hiernach ergab die vorläufige Ökologische Bewertung für das Zwischenahner Meer die Gesamtbewertung unbefriedigend!

Der Bericht bezeichnet als Hauptbelastungsquelle hinsichtlich des Nährstoffeintrags die verschiedenen Zuläufe, welche intensiv genutzte Böden entwässern. Hieraus ergibt sich eine deutlich erhöhte Belastung mit Nährstoffen, was sich negativ auf die biologische Qualität auswirkt und zu den sommerlichen Massenentwicklungen von Blaualgen führt.

Bei der Auswahl von Maßnahmen sollten immer Sanierungsmaßnahmen im Einzugsgebiet, wie z.B. die Minderung von Stoffeinträgen durch verbesserten Stoffrückhalt in der Fläche, Anlage von Uferrandstreifen usw. vor Restaurierungsmaßnahmen im See stehen.

Als Maßnahmen für das Zwischenahner Meer werden im Bericht genannt:

  1. Die Ermittlung und Reduzierung der Nährstoffeinträge aus dem Einzugsgebiet durch Verringerung der landwirtschaftlichen Nutzung, vor allem auf den entwässerten Moorböden des Einzugsbereichs.
  2. Die Entfernung von Phosphorverbindungen Phosphoreleminierung im Zulauf:
    Bereits in einem Gutachten von 1992 wird die Rückhaltung von Nährstoffen in den Zuläufen über bewachsene Bodenfilter angeregt. Da eine ausreichende Reduzierung der Nährstoffeinträge aus dem Einzugsgebiet vermutlich nicht möglich sein wird, ist eine geochemische Reinigung über eine Bodenpassage als zusätzliche Maßnahme empfehlenswert.
  3. Die Verhinderung der Nährstoffrücklösung aus dem Sediment:
    Empfohlen wird hier eine Sedimentabdeckung, in geschichteten Seebereichen Zwangszirkulation bzw. Belüftung gegen Sauerstoffmangel über dem Seegrund und hierdurch bedingt Rücklösungsprozesse. Diese Maßnahmen sollten aber erst nach erfolgter Sanierung des Einzugsgebietes zum Einsatz kommen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

   
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